Neutrale Zone

Julians Tagebuch aus dem Konzentrationslager

NEUTRALE ZONE

Julians Tagebuch aus dem Konzentrationslager

Im Herbst 2013 kam ein alter Mann auf Marlon Baker zu, mit der Frage, ob er aus seinen Erinnerungen ein Buch machen könnte. Marlon erhält ein handschriftliches Tagebuch von dem Mann, das ihn sofort in den Bann zieht. Neben den zahlreichen schriftlichen Aufzeichnungen gibt es aber auch Fotos zu sehen, die ihn erschüttern. Für Marlon Baker steht nach kurzer Zeit fest, dass er daraus ein Buch machen will, denn diese Geschichte muss seiner Meinung nach unbedingt erzählt werden, da sie doch Licht ins Dunkel bringt und dem Leser die Augen öffnet, wie es wirklich gewesen ist, als Jugendlicher im Konzentrationslager auf den Tod zu warten ...

So vereinbaren der alte Mann und der Autor, sich dann und wann zu treffen. Während diesen Treffen erzählt der alte Mann Marlon Baker seine Geschichte, und so entsteht ein Buch, das im Herbst 2014 vom mysteria Verlag veröffentlicht werden wird.

Und weil schon sehr viele interessierte Leser danach gefragt haben, wann es das Buch endlich zu kaufen geben wird, hat sich Marlon Baker erstmals in seiner schriftstellerischen Laufbahn dazu bereiterklärt, eine XXL-Leseprobe vorab zu veröffentlichen, um den Wünschen seiner Leser gerecht zu werden, die jetzt jedoch offline genommen wird, da Band 1 erschienen ist.

Als Paperback und E-Book in der mysteria Edition erschienen
ISBN-13: 978-1512039962, 216 Seiten für EUR 9,90 auf Amazon.de
E-Book für EUR 4,99 auf Amazon.de und weiteren Portalen erhältlich.

Ein handsigniertes Exemplar gibt es in meinem Shop

Das ist nun der erste Teil von Julian Glöckners Erlebnissen, die Marlon Baker innerhalb von zwei Jahren zusammengetragen hat. Ihm hat Julian sein Herz ausgeschüttet wie kein Mann zuvor. Seine Tagebücher und Fotos sind wichtige Zeitzeugen einer Epoche, die nie in Vergessenheit geraten darf. Da die Auswertung von Julian Glöckners Tagebücher aber immer noch andauert, da er eine Vielzahl an Erinnerungen festgehalten hat, haben wir uns dazu entschieden, zwei Bände zu veröffentlichen.

Im ersten Band können Sie nachlesen, wie Julian mit 15 Jahren in die Wirren des Zweiten Weltkrieges geriet. Im zweiten Band, der voraussichtlich im Herbst 2015 erscheinen wird, können Sie dann weiterlesen, ob sich seine Odyssee in Wohlgefallen auflöst oder nicht. An dieser Stelle wollen wir jedenfalls noch nicht verraten, wie es mit den Protagonisten weitergeht. Allerdings möchten wir uns für Ihr Interesse an dieser Geschichte bedanken, die das Leben schrieb. Nicht zuletzt haben wir uns dafür entschieden, jetzt bereits den ersten Teil zu veröffentlichen, da wir nicht wissen, wie lange Julian noch leben wird. Und wir wollen auf jeden Fall, dass er seine Erinnerungen zwischen zwei Buchdeckel lesen kann.

Julians Tagebuch aus dem Konzentrationslager

HJ Uniform

Julian Glöckner war bereits 83 Jahre alt, als er mich das erste Mal aufsuchte und darum bat, aus seinen Erinnerungen ein Buch zu machen. Fast 70 Jahre hatte er sich damit Zeit gelassen. Schnell hatte er mich dafür begeistern können, aus seinen Erlebnissen eine Geschichte zu schreiben. Denn ich erkannte, dass es hier etwas sehr wichtiges zu erzählen gab. Julian Glöckner ist ein sehr wichtiger Zeitzeuge. Er hat Dinge erlebt, die bislang eher selten zur Sprache kamen. Alles wurde bereits über den Zweiten Weltkrieg erzählt und durchleuchtet, jedoch blieb sein Schicksal bislang im Dunkeln.

Es ist seltsamerweise die Sexualität und die damit zusammenhängenden Verbrechen, die die Wissenschaft kaum interessiert, wenn es darum geht, Licht in das große Dunkel zu bringen, welche Schreckenstaten im Zweiten Weltkrieg – aber auch danach durch die Alleierten – stattgefunden hatten.

Werbepostkarte der HJ

Und dass es Homosexuelle zu jener Zeit besonders schwer hatten, davon erzählt Julian Glöckner in einer ganz besonderen und sehr offenen Weise. Er nimmt kein Blatt vor dem Mund, wenn es darum geht, seine Gefühle zu beschreiben, die er als Jugendlicher sehr deutlich spürte. Doch er beschreibt auch sehr eindringlich, wie sich das gesamte deutsche Volk hatte verführen lassen von den Idealen und Versprechungen des Nationalsozialismus. Und das erschreckende daran war, dass viele wussten, was im eigenen Land und in Europa geschah, doch sie schwiegen und schauten lieber weg.

Julian Glöckner war jedoch ein sehr aufmerksamer Beobachter. Bereits als Zehnjähriger merkte er, dass es in seinem Vaterland einen Wandel gab, der dem gesamten Volk nicht gut tat. Noch in Dresden, hatte er stets versucht, sich den Verführungen der Nationalsozialisten zu entziehen. Doch als er dann zu seinen Großeltern aufs Land gebracht wurde und von seinem besten Freund eine HJ-Uniform zum 15. Geburtstag erhielt, war sein weiteres Schicksal vorbestimmt.

Fotos aus dem Bundesarchiv Bildung

Er wollte vor allem seinen Freund Manuel gefallen, daher lehnte er es nicht ab, in die Hitlerjugend einzutreten. Er wollte nicht riskieren, dass sich sein Freund von ihm abgewendet. Und wie Julian, so erging es zu jener Zeit vielen Kindern und Jugendlichen, die sich der Hitlerjugend doch nur anschlossen, um anderenorts nicht ausgeschlossen zu werden.

Das jedoch ein einziger Kuss ausreichte, um dann in ein Konzentrationslager gebracht zu werden, weil er der Homosexualität überführt worden war, ließ Julian fast erstarren. Bis zu diesem Zeitpunkt wollte er nicht glauben, dass er wegen seiner Sexualität jemals wie ein Verbrecher behandelt werden würde. Gab es an seiner Sexualität doch nichts verwerfliches. Doch Hitler und die Nationalsozialisten hatten es sich nicht nur zur Aufgabe gemacht, Massenweise Juden zu vernichten, sondern auch alle anderen andersartigen Menschen.

Erstmals gibt seine Geschichte Einblick über die Schrecken in einem Konzentrationslager, die ein Jugendlicher zu erwarten hatte, wenn er wegen seiner Sexualität oder auch anderer Dinge in Gefangenschaft geriet. Darüber wurde bislang nie in einem Buch berichtet. Vor allem Schikanen, Drangsalierungen und Misshandlungen gehörten zum Alltag, aber auch der sexuelle Missbrauch. Und Julian Glöckner wirft zudem zahlreiche Fragen auf, wie beispielsweise die Versorgung der zahlreichen Gefangenen in den Wirren des Zweiten Weltkrieges gewährleistet werden konnte.

Wie bereits zu Beginn gesagt, ist Julian Glöckner ein sehr wertvoller Zeitzeuge, der in meinem Buch eine Stimme erhält, die hoffentlich bei vielen Lesern Gehör findet. Ich werde diesen Artikel fortsetzen, sobald der zweite Band im Handel erscheint, um der Geschichte nichts vorwegzunehmen.

Marlon Baker, Mai 2015

Ein wichtiger Zeitzeuge des Zweiten Weltkrieges

KZ-Kennzeichnungen

Geboren am 8. März 1929 war ich zehn Jahre alt, als Adolf Hitler der Welt den Krieg erklärte. Schon früh erfuhr ich, was es bedeutete, wenn ein Land den falschen Idealen folgt. Wie ein Virus verbreitete sich die Propaganda im ganzen Deutschen Reich. Auch mein Vater hatte sich von diesen Versprechungen verführen lassen und ist wie viele Väter, Söhne und Männer in den Krieg gezogen, weil er es für erstrebenswert hielt, dass Deutschland der Welt seinen Stempel aufdrückt.

Allerdings bemerkte ich auch schon sehr früh, dass ich aus einem anderen Garn gestrickt bin. Damals hatte ich noch nicht gewusst, wie man es nannte und dass man – wenn man es je zur Sprache brachte – dafür nicht nur bei seinen Angehörigen in Ungnade fiel, sondern auch in Gefangenschaft geraten konnte. Jetzt war ich jedoch kein Kind von Traurigkeit. Ich versuchte stets, das Beste aus meinem Leben zu machen. Schon früh hatte ich die Musik für mich entdeckt und war einem Knabenchor beigetreten. Damit hatte ich bei meinem Vater aber auch meiner Familie punkten können. Sie waren immer hin und hergerissen, wenn sie mich singen hörten. Und dass es ausgerechnet dieses Talent war, dass mir sprichwörtlich den Arsch retten sollte, war zu diesem Zeitpunkt eine absurde Vorstellung.

Viel mehr Sorgen machte ich mir um meine Entwicklung. Schon früh bemerkte ich, dass mir meine Kameraden mehr gefielen, als es für mich gut sein konnte. Doch das mich ausgerechnet meine Sexualität in Gefangenschaft brachte, war genauso absurd wie so vieles zu jener Zeit. Allein der „begehrliche Blick“ reichte aus, um Männer hinter Schloss und Riegel zu bringen. Dabei war es in meiner Kindheit und Jugend ein offenes Geheimnis, womit sich viele Kinder ihr Taschengeld aufbesserten. In Dresden gab es zahlreiche Stricher, die Ihre Hand aufhielten und die sich großzügig entlohnen ließen für ihr Stillschweigen, was die Freier von ihnen verlangten.

Schon früh sehnte ich mich danach, einen festen Freund zu haben, mit dem ich erste Erfahrungen sammeln konnte. Und als ich dann mit 14 Jahren Manuel kennenlernte, war es um mich geschehen. Ich war – wie man so schön sagt – blind vor Liebe! Manuel hätte alles von mir verlangen können. Ihm vertraute ich blindlinks und es schien, als teilte er die gleichen Interessen. Als er dann jedoch von mir verlangte, mich der Hitlerjugend anzuschließen, wurde ich von meinen Gefühlen überrannt. Einerseits hatte ich mich niemals uniformieren lassen wollen, andererseits wollte ich meinen Freund nicht enttäuschen oder gar kränken. Was lag da näher, als mir die Uniform anzuziehen und so zu tun, als würde ich dieser Gemeinschaft folgen. Doch es war ein Irrglaube, zu hoffen, dass ich bei diesen Jungen in Sicherheit war. Das glatte Gegenteil war der Fall. Ich begab mich in die Höhle des Löwen und es dauerte gar nicht all zu lang, bis ich aufflog.

Warum ich jedoch 70 Jahre schwieg, über meine Kindheit und Jugend zu erzählen und was mir alles widerfahren war, als ich mit 15 Jahren in ein Konzentrationslager gesteckt wurde, liegt auf der Hand. Ich wurde nicht nur Zeuge von vielerlei Verbrechen gegen die Menschlichkeit, auch ich selbst hatte mich einem großen Verbrechen schuldig gemacht: einem Mord! Und ein Mord verjährt nie.

Und mit dieser Schuld musste ich fortan mein gesamtes Leben lang leben. Ich versuchte schon sehr früh, meine Erlebnisse zu verarbeiten, in dem ich Tagebuch führte und zudem Fotos und zahlreiche Zeitungsausschnitte sammelte. Als ich dann den Mut aufbrachte, mich einem Menschen zu offenbaren, merkte ich, wie sich ein gewaltiger Felsblock von meiner Seele löste. Es tat gut, über die Ereignisse in meiner Kindheit und Jugend zu reden und oft war ich zu Tränen gerührt, als ich Marlon Baker von meinen Erlebnissen erzählte. Ich selbst möchte durch das Buch nicht in den Vordergrund oder gar in Erscheinung treten. Allein meine Geschichte soll den Leser berühren und die Augen öffnen für all die Schrecken, die es während dieser Zeit gegeben hatte (und auch heute noch gibt). Und ich bin dem Autor so dankbar, dass er mir nicht die Tür vor der Nase zugestoßen hat, als ich ihn aufsuchte und über meine Idee berichtete, dass es sich lohnen würde, dass meine Geschichte erzählt wird.

Dass ich das noch miterleben darf, dass ich mein Leben in einem Buch in den Händen halten darf, ist ein unbeschreibliches Gefühl. Als mir Marlon Baker ein druckfrisches Exemplar überreichte, war ich erneut zu Tränen gerührt. Damit habe ich meine Mission erfüllt. Ich habe ihm alles erzählt, ohne irgendetwas auszulassen und das ausgerechnet zum 70. Jahrestag des Kriegsendes der erste Band erscheint, finde ich gut gewählt. Denn somit müssen die Leser nicht noch länger warten, bis alle Aufzeichnungen von Marlon Baker bearbeitet wurden. Mit dem Band 2, der im Herbst 2015 erscheinen wird, ist dann mein Vorhaben abgeschlossen, mich den Lesern und der Welt zu offenbaren.

Ich hoffe sehr, dass ich Ihr Interesse für dieses Thema wecken konnte und dass sie gemeinsam mit mir durch die Höhen und Tiefen meines Lebens gehen. Nicht alles war traurig in meinem Leben. Es hat auch viele Dinge gegeben, die mich zum Lachen brachten und die mich zu einem glücklichen Menschen machten. Jetzt weiß ich nicht, wie viel Zeit mir noch bleibt, bis mich der Tod ereilt, doch ich kann endlich in Frieden von dieser Welt gehen, da ich keine Rechnungen mehr offen habe.

Julian Glöckner, Mai 2015

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